Ziel der Evaluation war es, die Wirksamkeit von Cannabis Kompakt in Bezug
auf das Wissen über Cannabis, Einstellungen, Normwahrnehmungen,
Risikoeinschätzungen sowie das eigene Konsumverhalten und die
Konsumintentionen von Jugendlichen zu untersuchen.
Methodik
Schülerinnen und Schüler
Klassenstufe
Schulen in Schleswig-Holstein
2.241
8–10
26
Alter
Geschlecht
Schultyp
Ø 14,7 Jahre
49,5 % männlich
44,1 % Gymnasium
Zeitraum: Schuljahr 2024/2025
Studiendesign: Post-Test-Only-Control-Group-Design mit zwei Gruppen und einem Messzeitpunkt
Gruppenzuweisung (randomisiert):
Interventionsgruppe: Umsetzung von Cannabis Kompakt (November 2024 – April 2025), Befragung durchschnittlich 12,4 Wochen nach Durchführung
Wartekontrollgruppe: zunächst keine Umsetzung, Befragung vor der Umsetzung
Befragung:
Online-Fragebogen für Schülerinnen und Schüler an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien zu Wissen, Einstellungen Normwahrnehmung, Risikoeinschätzung, Konsumverhalten und Konsumabsicht
Papierfragebogen für Lehrkräfte zur Umsetzung von Cannabis Kompakt
Kontrollvariablen:
Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, subjektiver Sozialstatus, Schultyp und das
Persönlichkeitsmerkmal Sensation Seeking (Bedürfnis, neue, aufregende oder
riskante Erfahrungen zu suchen)
Ergebnisse
Umsetzungstreue
Insgesamt zeigte sich eine hohe Umsetzungstreue von Cannabis Kompakt:
100 % der Umsetzung erfolgte durch Lehrkräfte.
69 % der Klassen setzten das Programm über mehrere Projekttage um.
Durchschnittliche Anzahl der Umsetzungstage: 2,4 Tage (von 1 bis 5 Tagen).
96 % der Klassen führten alle drei Unterrichtseinheiten durch (54 von 56 Klassen).
75 % setzten das Quiz um (42 Klassen).
73 % führten sowohl alle Unterrichtseinheiten als auch das Quiz durch (41 Klassen).
Wissen
Erfasst wurde das allgemeine Wissen anhand von 10 Aussagen zu Risiken und
Wirkungen von Cannabis (z. B. „Dauerhafter Gebrauch von Cannabis kann zu
psychischen Problemen führen“). Die Schülerinnen und Schüler beantworteten diese
mit „stimmt“, „stimmt nicht“ oder „weiß nicht“.
Die Interventionsgruppe beantwortete signifikant mehr Fragen korrekt als die
Kontrollgruppe (6,67 vs. 6,10 von 10), was auf einen positiven Effekt von Cannabis
Kompakt auf das allgemeine Cannabiswissen hinweist (Abbildung 1).
Abbildung 1. Adjustierte Mittelwerte für das Wissen zu Cannabis nach Gruppe (Kontroll- vs. Interventionsgruppe), bereinigt für Alter, Geschlecht, Schultyp, soziökonomischen Status, Klassenstufe, Migrations-hintergrund und Sensation Seeking (0 keine richtige Antwort bis 10 alle Antworten richtig). b=adjustierter Regressionskoeffizient, p=beobachtetes Signifikanzniveau
Einstellungen
Die Einstellungen wurden anhand von 16 mit dem Cannabiskonsum assoziierten
Begriffen erfasst und auf einer sechsstufigen Skala von 0 („trifft überhaupt nicht zu“)
bis 5 („trifft voll zu“) bewertet.
Schülerinnen und Schüler der Interventionsgruppe nahmen Cannabiskonsum
differenzierter wahr:
Positive Aspekte (Entspannung, Spaß, Langeweile, Gemeinschaft, Neugier, Abenteuer, Genuss, Erwachsensein, Kreativität, Freiheit und Schmerzlinderung) wurden stärker mit Cannabiskonsum assoziiert. Mittelwert Interventionsgruppe: 2,82 vs. Kontrollgruppe: 2,63
Negative Aspekte (Sucht, Ekel, Gewalt, Kontrollverlust und Probleme) wurden ebenfalls stärker mit Cannabiskonsum assoziiert. Mittelwert Interventionsgruppe: 3,92 vs. Kontrollgruppe: 3,66
Es zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe sowohl für die positiven als auch für die negativen Aspekte.
Normwahrnehmung
Zur Erfassung der Normwahrnehmung wurden die Schülerinnen und Schüler gefragt,
wie viele von 100 Jugendlichen noch nie Cannabis konsumiert haben (Zahlen von
0-100, korrekter Wert 90).
Schülerinnen und Schüler der Interventionsgruppen hatten eine signifikant
realistischere Wahrnehmung des Cannabiskonsums unter Gleichaltrigen als
Schülerinnen und Schüler der Kontrollgruppe (Abbildung 2).
Abbildung 1. Adjustierte relative Häufigkeiten der Schätzung des Cannabiskonsums unter Jugendlichen nach Gruppe (Kontroll- vs. Interventionsgruppe), bereinigt für Alter, Geschlecht, Schultyp, soziökonomischen Status, Klassenstufe, Migrationshintergrund und Sensation Seeking. b=adjustierter Regressionskoeffizient, p=beobachtetes Signifikanzniveau
Für die Risikoeinschätzung des Cannabiskonsums, das eigene Konsumverhalten
und die Konsumintention, d. h. die Absicht, künftig Cannabis zu konsumieren,
konnten keine signifikanten Gruppenunterschiede nachgewiesen werden.
Fazit
Eine hohe Umsetzungstreue und die verlässliche Einhaltung der Vorgaben zeigten, dass Cannabis Kompakt praktikabel für den Schulalltag ist.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Cannabis Kompakt:
das allgemeine Wissen über Cannabis erhöht.
normative Fehleinschätzungen korrigieren kann.
eine realistischere und kritischere Wahrnehmung des Konsums fördern kann.
Die Befunde sind vergleichbar mit aufwändigeren externen Programmen.
Schulen können durch die Umsetzung von Cannabis Kompakt auch mit
vergleichsweise wenig Aufwand einen Beitrag zur Prävention leisten.